"Bin ich zu empfindlich?" – Wenn Selbstzweifel zum Muster werden
"Bin ich zu empfindlich?" Wenn sich diese Frage öfter meldet als dir lieb ist, lohnt sich ein genauerer Blick – nicht auf deine Empfindlichkeit, sondern darauf, woher diese Frage eigentlich kommt.
Woher dieser Satz oft stammt
Meistens hast du ihn nicht erfunden. Du hast ihn gehört – wieder und wieder, oft von jemandem, der dir nahestand. Mit der Zeit wird aus einem fremden Satz eine eigene innere Stimme. Du fragst dich selbst, bevor es jemand anderes tun muss.
Der Unterschied zwischen "empfindlich" und "berechtigt betroffen"
Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen übermäßiger Empfindlichkeit und einer angemessenen Reaktion auf etwas, das tatsächlich verletzend war. Dieser Unterschied wird in belastenden Beziehungen oft verwischt – alles, was du fühlst, wird zum Beweis, dass mit dir etwas nicht stimmt, statt mit der Situation.
Wie sich das im Alltag zeigt
Du entschuldigst dich fürs Weinen. Du rechtfertigst eine Reaktion, bevor du sie zeigst. Du prüfst innerlich erst, ob ein Gefühl "erlaubt" ist, bevor du es überhaupt zulässt. Das kostet mehr Energie, als es von außen aussieht.
Ein Perspektivwechsel
Gefühle sind keine Fehler, die es zu rechtfertigen gilt. Sie sind Informationen. Ein Gefühl zu haben bedeutet nicht automatisch, dass du übertreibst – es bedeutet, dass etwas in dir reagiert hat. Was du mit dieser Information machst, ist eine zweite Frage, die getrennt davon steht.
Dieses Muster ist auch Thema in meinem Workbook "Neu vertrauen lernen" (Kapitel "Der innere Kritiker"). Wenn du merkst, dass du dabei Begleitung möchtest, freue ich mich über eine Nachricht für ein kostenloses Kennenlerngespräch.
Dieser Artikel ersetzt keine psychologische Beratung im Einzelfall.
